Puppenbühne

1981 taten sich ein paar Eltern von Kindern im Kindergarten Derendingen zusammen und gründeten eine Spielgruppe für klassisches Kaspertheater. Anstelle eines moralisierenden und belehrenden Kaspers schwebte ihnen ein freier, alternativer Kasper vor, ein Typ, wie ihn unsere Zeit braucht. Puppen und Kulissen konstruierte man selbst, und in jedem Jahr kam ein neues Stück zur Aufführung. Schnell wurde die Gruppe weit über Derendingen hinaus bekannt. 

1985 gab sich die beliebte Wanderpuppenkiste den Namen „Tübinger Puppenbühne“. Ab 1987 inszenierte sie mit großem Erfolg auch klassische Märchen. Wie im Märchen wurde die Welt der Protagonist*innen dann zu klein; man fand im Tübinger Schwabenhaus, einem ehemaligen Studentencorpshaus, eine neue Heimat mit eigener Beleuchtungsanlage. Schon die erste Aufführung des „Tapferen Schneiderleins“ war drei Mal ausverkauft; insgesamt sahen 350 Zuschauer*innen das Stück.

Ausgerechnet in der Toilettenanlage der aufgelassenen Lorettokaserne fanden die tapferen Puppenspieler den idealen Raum, um ihre Träume von einer vollformatigen Theaterbühne in Ergänzung zur Puppenspielstätte zu verwirklichen. Man ließ die Tübinger Puppenbühne als Verein eintragen und kaufte 1996 das marode Gebäude für rund 200.000 DM. Am Ende waren es sieben Schwaben, die den langgestreckten Bau zum großen Teil in Eigenarbeit sanierten, das Theater in markantem Blau erstrahlen ließen und vor dem neu geschaffenen Eingang Katharinenstraße die Fahne mit dem Kasperkopf hissten.

Das sichtbare Gebälk unter dem hohen Dach verlieh dem Haus einen besonderen Charme. Auf dem neu verlegten Boden fanden eine Bühne mit entsprechender Beleuchtungs- und Soundtechnik, ein Klavier, eine Theke für den Bistrobetrieb und 60 gespendete Kinostühle im Stil der 1950er-Jahre Platz.